Elisabeth Rynell - Schneeland

Elisabeth Rynell

Schneeland

btb

3-442-72377-9

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieses Buch habe ich in einer Gratis-Kiste am Strassenrand entdeckt. Ich habe eine Schwäche für Titel die poetisch klingen. Und Schneeland klingt für mich irgendwie poetisch.

 

Ich habe mich mehrmals sehr hilflos, betroffen, angeekelt, wütend und so berührt gefühlt, als ich dieses Buch gelesen habe. Es ist in einer wunderbaren Sprache geschrieben. Die Landschaften die beschrieben werden, entstanden vor meinem inneren Auge. Ich sah Wälder, majestätische Berge, unberührte Schneedecken und einen grenzenlosen Himmel.

 

Die Menschen in diesem Buch kommen leider nicht so gut weg.

Wir schauen in die Abgründe des menschlichen Wesens und manchmal hat es mich gegruselt, zu was Menschen imstande sind. Ich weiss, dies ist nur ein Roman, aber nichts was in dem Buch steht, ist nicht schon mal in der Realität passiert. Also: erschreckend gruselig.

 

Der Roman erzählt die Geschichte verschiedener Menschen, die sich alle im selben Gebiet in Schweden befinden. Einige begegnen sich, andere nicht. Da ist zum Beispiel der Fremde mit seinem Hund, der plötzlich aus einem Wintersturm auftaucht. Oder die Frau die ihren Mann und auch sich selbst verloren hat. Es sind traurige Geschichten. Manchmal haben sie mich ganz schön runtergezogen. Und trotzdem wohnt in der ganzen Melancholie so eine Schönheit inne, der ich mich nicht entziehen konnte.

 

Auf dem Titelblatt steht "Für alle, die sich an kühlen Herbsttagen das Herz erwärmen wollen!" Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das der passende Aufhänger für dieses Buch ist. Ja, es ist berührend und ja es kommen zwei, drei herzerwärmende Augenblicke vor, trotzdem fände ich eine passendere Überschrift so was wie: "Für alle, die sich von einer poetischen Sprache verzaubern lassen wollen und sich nicht vor menschlicher Widerwertigkeit abschrecken lassen." Oder so... Wäre wahrscheinlich nicht so verkaufsfördernd, aber ehrlich.

 

Trotz der Bitterkeit die dieses Buch mich manchmal spüren lassen hat, finde ich es grossartig. Die Sprache ist wunderschön. Es gibt wunderbare Zitate und Erkenntnisse. Es gibt Lichtblicke. Die Geschichten sind spannend. Es tut nur ein bisschen weh.

 

Ich kann mich bei dem Buch nicht auf einen Lieblingszitat beschränken, deshalb hier eine kleine Auswahl:

 

"Die Berge wohnen nicht in der Zeit, sondern im Gedächtnis und in den Talschluchten der Erinnerung, die man Vergessen nennt."

 

"Vielleicht ist das Schlimmste der Verlust des Blicks. Wenn jemand, der einen gesehen hat, verschwunden ist, jemand, der einen in seinem Blick getragen, in seinem Auge erschaffen hat."

 

"Das Schwierigste ist, sich lieben zu lassen. Nicht zu lieben."

 

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Victoria Finlay - Das Geheimnis der Farben

Victoria Finlay

Das Geheimnis der Farben - Eine Kulturgeschichte

978-3-548-60496-1

List

 

 

 

 

 

 

 

 

Wo beginne ich mit der Beschreibung dieses Buches? Darüber habe ich mehrere Tage gebrütet. Dieses Buch hat so viel Begeisterung in mir ausgelöst, dass die Menschen in meinem Umfeld es die letzten Wochen wohl alle mal zu spüren bekommen haben.

Ich musste einfach anderen mitteilen, was für spannende, unglaubliche und lustige Dinge ich über Farben gelesen und gelernt habe.

 

Victoria Finlay unternimmt mit dem Leser eine Reise durch die Welt der Farben. Und dies im wortwörlichen Sinn. Um ihren Wissensdurst, rund um das Thema Farbe, zu stillen ist sie um die ganze Welt gereist. Sie hat Geschichten gesammelt, Entstehungsprozesse beobachtet und das eine oder andere Geheimnisse gelüftet. Ihre Faszination ist ansteckend und hat mich direkt in ihre Welt reingezogen.

 

Das Buch beginnt mit der Erzählung darüber wie sie zu den Farben gekommen ist. Als kleines Mädchen war sie mit ihrem Vater in der Kathedrale von Chartres und er erklärte ihr, als sie vor einem Buntglasfenster standen, dass wir heute nicht mehr wissen, wie man dieses Blau herstellt. Und genau so wie sie als kleines Kind, war ich erstaunt, dass es das gibt. Ich hatte mir, ehrlich gesagt, davor noch nie Gedanken darüber gemacht. Wenn man dann etwas länger darüber nachdenkt erscheint es einem logisch, dass es nicht mehr alle Farben geben kann, die vor hunderten von Jahren existiert haben. Zum einen haben sich die Herstellungsprozesse verändert und die Gewinnung von Farbe hat einen anderen Stellenwert bekommen.

 

Das Buch ist in Farb-Kapitel unterteilt. Es ist spannend zu erfahren, wo auf der Welt welche Farben gewonnen oder hergestellt wurden. Die Autorin recherchiert in uralten Bücher und zieht historische Texte hinzu um rauszufinden wo die Farbe das erste Mal erwähnt wurde und reist dann zu diesen Orten um zusehen ob sich darüber noch etwas finden lässt. Sie reist nach Australien, Afghanistan, Indien, Spanien, Italien und noch an viele weitere Orte. Überall trifft sie Menschen mit interessanten Geschichten und teilt diese mit dem Leser.

 

Das Buch ist vollgestopft mit Wissen, mit interessanten Anekdoten und lustigen Begebenheiten. Ich wäre froh, ich könnte mir mehr von dem gelesenen merken. Das Buch eignet sich zum Glück auch gut als Nachschlagewerk.

 

Man lernt viel über Kunstgeschichte und die Malerei. Sie stellt uns verschiedene Maler und Künstler vor. Mit welchen Farben sie am liebsten gearbeitet haben und warum sie dabei nicht immer auf ihre Gesundheit geachtet haben. Wir erfahren welche Farben besonders schnell verblassten, welche giftig waren und welche die teuersten. Das es Zeiten gab in denen Kriege auf Grund einer Farbe (oder der Rohstoff der Farbe) geführt wurden oder Maler lieber gestorben wären als ihre Rezepturen zur Farbherstellung zu veröffentlichen. Sie erklärt auch anhand von verschiedenen Kunstwerken, dass diese als sie neu waren, ganz andere Farben enthielten als die, die wir heute noch sehen können.

 

Dieses Buch hat mir eine völlig neue Welt eröffnet und mich neugierig gemacht mehr zu erfahren.

 

Mein Lieblingszitat aus diesem Buch:

"Die Vorstellung, dass der letzte Mensch, der damit gemalt hatte - dessen Finger die Vertiefungen geformt hatten -, vor etwa fünftausend Jahren gelebt hatte, beeindruckte mich zutiefst."

 

 

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Philipp Oswalt - Berlin Stadt ohne Form

Philipp Oswalt

Berlin_Stadt ohne Form

Strategien einer anderen Architektur

3-7913-2440-3

Prestel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Im Herzen der Metropole liegen die Orte der Wildnis und des Unbekannten der modernen Zivilisation. Es sind die Stätten, wo der Mensch seiner Sehnsucht nach Entdeckung, nach dem Heraustreten aus der alltäglichen Welt nachkommen kann."

 

Dieses Buch wurde mir von einem Freund geliehen. Erst war ich mir nicht so sicher ob ich es auch ganz durch lese. Die Geschichte Berlins interessiert mich umso mehr, je länger ich hier bin. In diesem Buch geht es aber um die Architektur Berlins im Speziellen und da war ich mir nicht so sicher ob mich das packt.

 

Es hat mich gepackt. Und gefesselt.

 

Das Buch ist in verschiedene Kapitel eingeteilt die Namen tragen wie "Kanone", "Komposition" oder "Serienproduktion". Jedes Kapitel beschreibt einen Zeit- und Entwicklungsabschnitt der Entstehung Berlins. Es wird erklärt wie es überhaupt zu dieser Metropole gekommen ist. Woraus diese Stadt entstanden ist. Durch die Geschichte erfährt man warum Berlin so eine vielschichtige und manchmal auch absurde Architektur hat.

 

Es wurden Stadtmauern gebaut, erweitert, abgerissen, umgebaut. Gebäude die angefangen, aber nie fertig gestellt wurden. Strassen die im Nirgendwo oder an einer Hauswand enden. Paläste die auf den Ruinen anderer Paläste entstanden sind. Verschiedene Baustile die bewusst oder zufällig nebeneinander oder ineinander gebaut wurden.

Jeder wollte in Berlin ein Zeichen setzen, ob Kaiser, Diktator oder Regierung. Sie alle rissen Teile der Stadt ein um sie in ihrem Stil neu zu erschaffen. So hatte diese Stadt nie wirklich ein bauliches System, was einen schweren Job für Stadtentwickler bedeutete und viel interessantes zu entdecken für die Bewohner.

 

So liest man sich durch die Geschichte Berlins, es ist spannend und informativ. Ich habe viel Neues über die Stadt gelernt in der ich lebe. Manchmal fallen mir nun Dinge auf, wenn ich durch die Strassen gehe, die ich vorher nicht gesehen hätte.

Die Sprache des Buches ist teilweise überraschend philosophisch. Ein Kapitel des Buches widmet sich der Frage, wie Leere, unbebaute Flächen u.s.w. sich auf die Architektur und auf die Menschen im Allgemeinen auswirkt. Total spannend!

 

Im zweiten Teil des Buches werden zahlreiche Projekte und Bauten von verschiedenen Architekten vorgestellt.

Auch das ist interessant, vorallem weil es aufzeigt wie auf unterschiedlichste Art und Weise Neues für Berlin entsteht. Manchmal radikal, dann wieder pragmatisch oder auch mal verspielt, aber auf jeden Fall aussergewöhnlich und aufregend.

 

Dieses Buch ist leider vergriffen und auch nicht ganz so einfach zu kriegen. Ich hatte Glück und habe es Secondhand gefunden und bin nun stolze Besitzerin eines eigenen Exemplares ;)

 

Mein Lieblingszitat aus diesem Buch: "Wo Nichts ist, ist alles vorstellbar."

 

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Wolfgang Büscher - Deutschland eine Reise

Wolfgang Büscher

Deutschland, eine Reise

978-3-499-24050-8

rororo

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieses Buch endet so schön wie es beginnt. Dazwischen oft verwunderliches, verstörendes, erheiterndes, nachdenkliches und Herz erwärmendes.

 

Der Autor macht sich auf, die Grenzen seiner Heimat kennen zu lernen. Er geht weite Strecken zu Fuss,  er stapft über schneebedeckte Berge und schwimmt auch mal durch einen Fluss. Manchmal nimmt er den Zug und so lernt er Deutschland ganz neu kennen.

Ich habe dieses Buch im Laden meiner Mam entdeckt und es hat mich sofort angezogen. Ich wohne seit bald acht Jahren in einem Land, von dem ich fast nur die Hauptstadt kenne und so war ich neugierig darauf zu erfahren, wie es den noch so sein kann.

 

Die Sprache dieses Buches ist philosophisch, manchmal auch melancholisch, aber vorallem; wunderschön. Wie Büscher die Landschaften beschreibt durch die er kommt, sie entstanden vor meinem inneren Auge. Ich amüsierte mich mit ihm über die Schrulligkeiten der Menschen und war entsetzt über die Narben des Krieges und die Abgründe die daraus resultierten und an gewissen Orten immer noch spürbar sind.

 

Man erfährt in dem Buch viel über die Geschichte des Landes. Vom Kaiserreich, über den 2.Weltkrieg, die Teilung in Ost und West, bis in die Gegenwart. Er erzählt Anekdoten über Persönlichkeiten die, die selben Wege wie er gegangen sind. Über Unbekannte, die unglaubliches getan haben. Er beschreibt die Menschen die er kennen lernt, einige sieht er nur ein paar Minuten mit anderen verbringt er einen ganzen Tag und erfährt, was sie bewegt und bedrückt.

 

Ich musste oft schmunzeln als ich dieses Buch gelesen habe, aber genau so oft, wenn nicht mehr hab ich entsetzt die Luft angehalten. Wie zum Beispiel als seine Reise ihn nach Pforzheim führt und er erzählt, wie diese Stadt am Ende des 2.Weltkrieges innerhalb von 16 Minuten (!) durch Flächenbombardement dem Erdboden gleich gemacht wurde und über 20'000 Menschen gestorben sind. Unfassbar.

Man erfährt Einzelschicksale die den Schrecken eines Krieges noch deutlicher machen.

 

Aber es gibt auch so viel Schönes in diesem Buch. Die Sprache, ich komme immer wieder zur Sprache. Büscher ist wie ein Maler mit Worten. Ich bin begeistert, was wohl unschwer zu erkennen ist ;)

Dieses Buch ist für Menschen die gerne Reiseberichte lesen, selber gerne reisen, die etwas über Deutschland erfahren wollen, über die Geschichte Europas, über das Leben, darüber was Menschen bewegt Gutes oder Böses zu tun, für jene die gerne Neues entdecken.

 

Mein Lieblingszitat aus diesem Buch:

"Man sagt, über dem Niederrhein liege ein mystisches Licht. So ein Dunst, zart bläulich, und der Nebel leuchtet von innen her, sogar an einem Herbsttag wie diesem, aus dem der Himmel alle Farben sog, als seien sie Gift."

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Erich Fried - Es ist was es ist

Erich Fried

Es ist was es ist - Liebesgedichte, Angstgedichte, Zorngedichte

3-8031-3118-9

Wagenbach

 

 

 

 

 

 

 

Erich Frieds Gedichte begleiten mich seit meiner Ausbildung.

Ich mag seinen Stil und der Aufbau seiner Gedichte. Meistens sind sie kurz. In ihrer Kürze liegt so viel Ausdruckskraft, dass es nicht mehr Worte bedarf. Er berührt mich mit seinen Texten, immer wieder. Ich möchte auch gar nicht mehr darüber schreiben, sondern euch einfach mein Lieblingsgedicht von ihm vorstellen. Lasst es auf euch wirken und trifft selber eine Entscheidung, ob es euch gefällt.

 

 

Was es ist

 

Es ist Unsinn

sagt die Vernunft

Es ist was es ist

sagt die Liebe

 

Es ist Unglück

sagt die Berechnung

Es ist nichts als Schmerz

sagt die Angst

Es ist aussichtslos

sagt die Einsicht

Es ist was es ist

sagt die Liebe

 

Es ist lächerlich

sagt der Stolz

Es ist leichtsinnig

sagt die Vorsicht

Es ist unmöglich

sagt die Erfahrung

Es ist was es ist

sagt die Liebe

 

 

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Marion Zimmer Bradley - Die Wälder von Albion

Marion Zimmer Bradley

Die Wälder von Albion

Fischer

3-596-50548-8

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Meistens im Herbst oder frühen Winter, bekomme ich Lust darauf dieses Buch zu lesen. Es ist die Vorgeschichte des berühmten "Nebel von Avalon".

Nebel von Avalon ist auch ein gutes Buch, aber dieser Band gefällt mir besser.

 

Es spielt in einer Zeit in England, als die Christen noch Zukunftsmusik waren und die alte Religion in ihrer vollen Blüte stand. Es war die Zeit in der die Römer versuchten die Vorherschaft über die Insel zu erlangen.

Die Geschichte beginnt mit der Erzählung über die Zerstörung des grössten Heiligtums der Druiden auf der Insel Mona, durch die Römer. Fast alle Männer wurden getötet und die Frauen geschändet.

Die Kinder die aus dieser Tragödie entstanden, wurden entweder ertränkt (die Mädchen) oder kamen zum Geheimbund der Raben (die Jungen), dessen Aufgabe es ist, die Besatzer zu vertreiben und ihre Mütter zu rächen.

 

Es entstand ein neues Heiligtum, Vernemeton, welches von den Römern nur akzeptiert wurde, da die Priesterinnen, wie Vestallinen lebten und Keuschheit gelobten.

Eilan, die Tochter eines Druiden, findet kurz vor einem grossen Fest, Gaius ein römischer Soldat, in einer Grube, in die er gefallen ist. Er nennt ihr seinen keltischen Namen aus Angst sonst getötet zu werden. Sie pflegt ihn gesund und sie verlieben sich, doch Eilan wird Priesterin in Vernemeton. Da dieser Strang der Erzählung, die Liebesgeschichte, relativ absehbar ist, spar ich mir eine genauere Beschreibung.

 

Das spannende an diesem Buch und auch an den anderen Bücher des Avalon-Zyklus, ist für mich die Geschichte der alten Götter, der Druiden und Seherinnen. Marion Zimmer Bradley entwirft in ihren Büchern eine Welt wie sie vielleicht hätte sein können. Sie beschreibt Rituale, Gesänge, Traditionen und dies alles so lebhaft und natürlich, dass man sich alles genau vorstellen kann.

 

Ich war schon beim ersten Lesen fasziniert davon wie genau die Beschreibungen sind, wie viel man aus diesen Büchern lernen kann. Könnte man sich alles merken, wäre man danach eine gute Heilerin/Kräuterkundige oder könnte ein Tier ausnehmen und vieles mehr. Theoretisch.

 

Es geht auch um Krieg. Zwischen den Einheimischen und den Eroberer. Anders als später die Christen, akzeptieren die Römer andere Glauben und lassen die Menschen, wenn auch beschränkt, weiter praktizieren.

Auch Eilan kriegt diesen Zwist in ihrem Leben zu spüren. Sie wird zur neuen Hohenpriesterin ernannt, steht aber vor dem Problem, dass sie schwanger ist und die Römer dies nie akzeptieren würden. Die Druiden sind anderer Meinung als die Seherinnen wie man vorzugehen hat und so bleibt ihr nichts anderes übrig als ein doppeltes Spiel zu spielen.

 

Die Geschichte des Heiligtum von Vernemeton schlägt mich jedes Mal in seinen Bann. Das Leben, der Alltag der Priesterinnen, die Verantwortung der Hohenpriesterin, die Aufgaben der Druiden. Die Bedrohung von Aussen und Innen. Die Machenschaften der verschiedenen Parteien.

Die Landschaft von Wales, die Wälder und Seen, der Nebel.. Ein perfektes Buch für den Herbst oder Winter.

 

Mein Lieblingszitat aus diesem Buch:

"Es ist wirklich komisch, dass die Menschen sofort bereit sind zu kämpfen, wenn es um Religion geht. Wo doch alles immer dasselbe ist."

 

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Eddy Joe Cotton - Train Days

Eddy Joe Cotton

Train Days - Auf Güterzügen durch die Weiten Amerikas

3-89029-253-4

Malik











Dieses Buch beginnt damit, dass Eddy an seinem 19. Geburtstag von seinem Vater gefeuert wird. Er beschliesst zu gehen und erstmal nicht mehr zurück zu kommen. Er hatte ein paar Dollar in der Tasche, eine Ford-Daunenjacke und gute Arbeitsstifel, alles andere würde von ihm abhängen, dachte er sich.


Er beginnt mit trampen und irgendwann zeigt ihm Alabama (ein Typ den er unterwegs kennen lernt und sein Freund wird) wie man auf einen Güterzug aufspringt, wenn der gerade durch einen Bahnhof oder einen Bahnübergang fährt und etwas langsamer ist.

So beginnen Eddys Streifzüge durch ganz Amerika. Er hat meistens keinen Plan wo es hingeht und springt einfach da ab wo es ihm gefällt. Er arbeitet ab und zu, oft aber auch nicht. Zum Glück der Leser, füllt er stetig seine Notizhefte mit  Geschichten die er erlebt.


Das ist so grob der Inhalt dieses Buches. Aber eigentlich geht es um sehr viel mehr. Es geht um Freiheit. Die Freiheit, über sein Leben selbst zu bestimmen. Die Freiheit unter freiem Himmel zu schlafen. Die Freiheit, jeden Tag so zu nehmen wie er ist. Die Freiheit, keine Zukunftspläne machen zu müssen. Die Freiheit, keine Verpflichtungen zu haben. Die Freiheit, so zu sein wie man ist.


Und es geht ums Warten. Warten auf den nächsten Zug. Warten darauf, wann man das nächste Mal ab- oder aufspringen kann. Eddy erzählt, wie er anfangs total ungeduldig wurde, wenn er zu lange warten musste. Er hatte das Gefühl, Zeit zu verschwenden, viel Zeit, mit dem vielen Warten. Bis er damit anfing, das Warten als geschenkte Zeit anzugucken. Zeit in der man seine aktuelle Umgebung beobachten kann, nachdenken, schreiben, sich selbst genügen.


Das Buch ist meist in sehr kurzen Kapitel verfasst. Tagebuchaufzeichnungen. Sie tragen Titel wie: "Der Vogelmensch", "Hillbilly-Schütteln" oder "Sonnenaufgang". Man lernt viel über Züge, das Wetter und erfinderische Nahrungszubereitung. Eddy schreibt unterhaltsam und kurzweilig. Es wird viel philosophiert und über das Leben nachgedacht, das liebe ich besonders.


Ich weiss nicht mehr, wann ich das Buch zum ersten Mal gelesen hab, es ist auf jeden Fall schon lange her. Dieses Buch hatte mich sofort. Nach den ersten Sätzen, war ich drin. Und so ging es mir auch diesmal als ich nochmal rein lesen wollte um einen Blog-Artikel darüber zu schreiben. Dieses Vagabunden-, dieses Hoboleben ist faszinierend. Auch wenn es nicht immer angenehm und schön ist, was man deutlich zu sehen kriegt, wenn man das Buch liest. Aber wie diese Freiheit riecht.. Fantastisch!


Mein Lieblingszitat aus diesem Buch:
"So ist das nun mal im Leben, Junge. Wenn man frei ist, gibt es immer wen, der einem die Freiheit wegnehmen will. Und weisst du warum? Weil die sich dann hinterher besser fühlen, darum, aber nicht lange. Wenn die Sonne aufgeht und er wieder einen klaren Kopf hat, ist der traurigste Mensch der Welt. Das sag ich dir: der traurigste Mensch der Welt."


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Aus aktuellem Anlass

 

Wenn der Boden unter den Füssen

immer mehr Risse bekommt

Das Weltbild wackelt

und die Werte ins Wanken geraten


Wenn die Angst vor dem Ungewissen

grösser wird

Wenn die Wut

auf Angst basiert


Wenn man erstarrt vor Entsetzten

atmet

Wenn man inne hält

angesichts der Tragödien

an seine Existenz denkt


Wenn bewusst wird

einzig die Veränderung ist beständig

wenn man begreift

nicht alles muss oder kann man verstehen


Wenn man liebt

trotz der Grausamkeiten

Wenn man lacht

über Nichtigkeiten


Wenn man tanzt

albern und fröhlich ist

dann hat das Leben

dann haben wir

gewonnen.

 

geschrieben am 15.11.15 von Sara Glemser

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Jürgen Deppe & Odem - ODEM: On the run

Jürgen Deppe & Odem

Odem: On the run - Eine Jugend in der Graffiti-Szene

3-89602-466-3

Schwarzkopf & Schwarzkopf











Graffiti, sprühen, bomben, taggen.. Uii waren mein Bruder und ich fasziniert davon als wir so um die 15 waren. Mein Bruder kaufte sich Magazine, die wir uns zusammen anguckten, wir machten Fotos und starteten auch unsere eigenen Versuche.

Meine Mam kriegte das natürlich mit und brachte uns dieses Buch mit nach Hause. Wir haben es beide verschlungen.


Vor ein paar Wochen ist mir das Buch wieder in die Hände gefallen und ich musste es nochmal lesen. Ich wollte wissen, ob es immer noch faszinierend ist, jetzt, fast 20 Jahre später. Die Begeisterung für Graffiti hat ja nie nachgelassen. Ich fand es auch spannend, dieses Buch nochmal zu lesen im Hinblick darauf, dass fast alles in Berlin stattgefunden hat und ich die Stadt mittlerweile ganz gut kenne, immerhin lebe ich seit über 7 Jahre hier. Und ich muss sagen; Ja! Es zieht mich immer noch rein. Gewisse Dinge sehe ich mittlerweile bestimmt um einiges kritischer als mit 15, aber die Grundfaszination ist die Gleiche geblieben.


Odem erzählt wie er das erste Mal auf Grafitti aufmerksam wurde. Was es bei ihm auslöste als er den Film Wild Style das erste Mal guckte. Wie er anfing Skizzen zu zeichnen und seine Bemühungen in die Szene in Berlin reinzukommen. Wie er sein erstes Piece auf eine Wand brachte und es so schlecht war, er aber trotzdem unglaublich stolz. Wie er in die erste Crew aufgenommen worden ist und seinen ersten Zug malte. Dann der erste Whole Car, sein erstes End-to-End, seine Europa-Touren, wie er immer mehr Fame bekam und irgendwann nicht mehr aus der Szene weg zu denken war.


Er beschreibt aber auch die dunkleren Seiten, seiner Jugend. Prügeleien, von Freunden die er an die Drogen verloren hat, Messerstechereien, Tote, unzählige Stunden in Polizeigewahrsam. Sein Vater der ihn prügelt und seine Mutter die sich Sorgen macht und viel weint. Er lässt nichts aus. Er erzählt offen und ehrlich, scheut sich auch nicht davor zu erzählen, wie traurig, einsam und verzweifelt er oft war.


Man lernt die Stadt Berlin kennen, aus den Augen von einem Jugendlichen, der sich durch die Schule mogelt, den es überhaupt nicht interessiert, dass die Mauer offen ist, ausser das man jetzt rüber fahren kann und da alles zubomben kann. Man liest, wo die besten Depots und Yards waren um da einzusteigen und zu malen. Die langweilige S-Bahn Station Friedrichstrasse, bekommt plötzlich eine spannende Vergangenheit, sie war der Dreh und Angelpunkt, der Corner, der Szene. Dort traf man sich, quatschte, startete Aktionen.

Was die Jungs brauchten für ihre Bilder klauten sie sich zusammen. Überhaupt, wurde so gut wie alles geklaut, was irgendwie brauchbar war.


An Graffiti mochte ich schon immer mehrere Aspekte. Zum einen natürlich die Bilder an sich, die Styles, die Farben, die Buchstaben. Dann gehörte das Illegale mit dazu, was mich besonders als Jugendliche fasziniert hat ;) Und dann, die ganze Szene drum rum. Graffiti gehörte schon immer zur Hip Hop Szene dazu und die gefiel mir, gefällt mir noch und da fühlte ich mich wohl.

Ich finde es toll, wenn jemand seine Gedanken und Gefühle durch Bilder und Farben ausdrücken kann. Ich bin beeindruckt, wenn jemand sein ganzes Leben auf eine Sache ausrichtet und darin richtig aufgehen kann. Und genau das tat Odem.


Dieses Buch hat mir Graffiti näher gebracht. Die Intention die dahinter stecken kann, das Wilde. Anders sein zu wollen, als die Anderen. Hardcore zu sein, wie Odem es nennt. Das Buch löst ein Gefühl für diese Lebenseinstellung aus, warum jemand so was tut, was ihn dazu bewegt. Es beschreibt eine Jugend, die aus Spass, Action, Befreiung, Gewalt und Graffiti besteht. Man erkennt sich in gewissen Gedankengängen und Taten wieder und denkt sich "Ja, genau, so war das!" Egal wie alt man grade ist..


Mein Lieblingszitat aus diesem Buch:

"Was ich machte, wollte ich mit Haut und Haaren machen, wollte mit Leib und Leben dafür einstehen, alle Brücken kappen, alle Fesseln sprengen, alles hinter mir lassen."



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Please Kill Me - Die unzensierte Geschichte des Punks

Legs McNeil und Gillian McCain

Please Kill Me - Die unzensierte Geschichte des Punk

978-3-85445-237-9

Hannibal

 

 

 

 

 




 

Dieses Buch wurde mir von einem Freund ausgeliehen (nicht lange danach, hatte ich ein eigenes Exemplar in meinem Besitz). Erst war ich etwas skeptisch ob ich das wirklich lesen werde. 507 Seiten, mehr oder weniger mit Interviews gefüllt.. Hmmm ob das wohl Spass macht? - fragte ich mich. Doch ich vertraute darauf, dass mein Freund mich und mein Geschmack gut genug kannte und ausserdem haben mich die Namen auf dem Cover magisch angezogen.. Lou Reed, Patti Smith, Debbie Harry, Iggy Pop, die Ramones und so weiter, die alle interessierten mich und ich war gespannt, was sie in diesem Buch erzählen werden.

 

Anfänglich hatte ich tatsächlich etwas Schwierigkeiten in das Buch reinzukommen. Es ist einfach ungewohnt, wenn ein Buch aus Interview-Fetzen, Zitaten und unterschiedlichen Erzähler besteht. Zwar alles in chronologischer Reihenfolge, aber aus ganz vielen verschiedenen Blickwinkel. Manchmal scheint es zusammenhangslos. Nachdem ich mich aber daran gewöhnt hatte, eröffnete sich mir eine neue Welt. Genau genommen, eine alte, vergangene Welt, aber für mich war alles neu und faszinierend und ich hab es in mich aufgesogen. So viele Informationen über Musiker und Bands die man bewundert, liebt, nicht ausstehen kann. Und dann dieser Lifestyle, die Orte an denen sich die meisten dieser Leute rumgetrieben haben, spannend! Ich muss zugeben, es kam auch ein paar mal vor, dass ich dachte: "Wuuäää so genau wollte ich das jetzt nicht wissen..".

 

Dieses Buch erzählt die Geschichte des amerikanischen Punk, welcher in den 60er mit Velvet Underground seinen Anfang nahm. New York war der Mittelpunkt. Andy Warhols Factory, der legendäre CBGB Club und unzählige namenlose, heruntergekommene Appartments. Es geht in diesem Buch, selbstverständlich, in erster Linie um Musik und deren Erzeuger. Es geht aber auch um Drogen, so viele Drogen. Alkohol, ohne den scheinbar fast gar nix ging. Es geht um Sex, was für Verstrickungen! Ja, wer nach "Sex, Drugs and Rock'n'Roll" sucht, kommt bei diesem Buch auf jeden Fall auf seine Kosten.

 

Ich war fasziniert von diesen Musikern, wie sie lebten und arbeiteten. So viel Hingabe und Leidenschaft. Musik und Kunst war ihr Lebensinhalt. Viele von ihnen hatten klare Vorstellungen, wie es sein soll und wie nicht. Einige haben sich für ihren Traum verkauft, an grosse Plattenfirmen zum Beispiel und wurden Marionetten ihres eigenen Ruhms. Viele von ihnen, sind sich aber ein Leben lang treu geblieben, haben sich nicht zum Kommerz überreden lassen und sind ihren Weg weitergegangen. Was Erfolg nicht ausgeschlossen hat.

 

Es gibt unglaublich viele witzige Anektdoten und es gibt Geschichten, die möchte man gar nicht wissen. Und nachdem man mit dem Buch in die Höhe geschnellt ist, in Sphären die einem bis dato unbekannt waren und man sich gedacht hat "Damn, warum hab ich nicht zu dieser Zeit, an diesem Ort gelebt?!" kommt unweigerlich der Fall und die Ernüchterung. Ich finde es immer wieder unfassbar wie verschwinden gering die Zahl derer ist, die aus dieser Zeit noch leben. Drogen, Selbstmord, Aids um nur einige Todesarten zu nennen, die diese Ära durchzogen haben.

 

Wenn man dieses Buch liest, lernt man nicht nur unglaublich viel über die Musik- und Kunstszene der 70er und 80er in New York (und der USA im Allgemeinen). Man lernt Menschen kennen. Menschen deren Namen uns ein Begriff sind, deren Musik wir kennen, oder auch nicht. Menschen mit tiefen Abgründen, Zweifel, selbstzerstörerischen Tendenzen, aber auch hoffnungsvolle, energiegeladene Menschen.

Es ist eine Berg- und Talfahrt, dieses Buch. Wenn man sich auch nur ein bisschen für Musikgeschichte interessiert, wenn man sich für das Leben anderer Menschen interessiert, wenn man sich für das Leben in seiner dunkelsten Stunde interessiert, wenn man sich für kreative Freiheit und übersprudelnde Emotionen interessiert, wenn man das Leben gerne feiert, dann ist dieses Buch genau das Richtige. Dieses Buch macht einfach Spass.

 

Mein Lieblingszitat aus diesem Buch: (man könnte jede Seite dieses Buches aufschlagen und ein Zitat rauspicken)

Iggy Pop: "In Berlin war es wie in einer Geisterstadt, aber mit allen Vorteilen. Gegenüber.. wie soll ich sagen.."kulturellem Benehmen" legte die dortige Polizei ein absolutes Laisser-faire-Verhalten an den Tag. "

 

 

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